Am Samstag (14. Januar 2008) war ich gemeinsam mit meinem dreijährigen Sohn in der Innenstadt. Zum ersten Mal betrat ich die Europapassage. Es ist ein Unterschied, ob man allein oder mit einem Kleinkind so einen Ort besucht.
Ein trüber und wolkengeschwängerter Himmel trägt dazu bei, dass die Passage sehr gut besucht ist. Kaum im Eingang, werfen mein Sohn und ich sämtliche Jacken ab, um uns auf die vorherrschende Wärme einzustellen. Wie gut, dass das Rauchverbot jetzt gilt! Mit einem für mein Kind ungewöhnlichen Tempo durchschreiten wir das Einkaufszentrum. Er ist in Eile, weil alles so neu und aufregend und groß für ihn ist, während ich gemächlich hinterherschreite. Was ist mein erster Sinneseindruck? Die Temperatur. Dann der sich mir bietende Blick. Da ich den Eingang gegenüber von Karstadt gewählt habe, erblicke ich das Innere des Gebäudes in seiner gesamten Länge auf einmal. Schön lichtdurchflutet und gläsern. Das Angebot in den Schaufenstern: eher gewöhnlich. Nichts dabei, was ich nicht erwartet hätte. Die gleichen Geschäfte wie überall anders auch. Ich frage mich, warum man den Namen „Europa-Passage“ gewählt hat. Wenn hier was Europa ist, kann man es zumindest nicht sofort erkennen. Eine andere Identität als die schon bestehenden Einkaufspassagen kann ich nicht bestätigen. Trotzdem halte ich mich hier ganz gerne auf, die offenen Etagen in der Art einer Gallerie lassen mich frei atmen, ich fühle mich ein wenig emporgehoben und genieße den Aus- und Überblick auf Hamburg und seine Straßen. Natürlich fahren wir mit dem gläsernen Fahrstuhl ganz nach oben. Und wieder runter. Und wieder hoch. Und das Ganze noch mal. Eine Gruppe Pensionäre steht mit uns im Fahrstuhl und macht meinem Nachwuchs klar, was für eine tolle Mutter er hat, denn es ist klar, dass wir nur zum Spaß mitfahren. Ich freue mich, dass ich meinem Kind die ganze Verantwortung in die Schuhe schieben kann. Alleine hätte ich mich nicht getraut, immer wieder hoch- und runterzufahren.
Wer es darauf anlegt, kann die Menschen hier einer Observierung aussetzen. Besonders die Cafes in Liftnähe geben einen guten Beobachtungsposten ab, wer hier die Rolltreppen heraufkommt oder den Fahrstühlen entsteigt.
Unter dem Dach genehmigen mein Sohn und ich uns ein Eis. Die Kugel zu neunzig Cent das Stück. Nirgends gibt es Sitzmöglichkeiten speziell für Kinder oder Familien. Die Bestuhlung und Einrichtung ist allein für Erwachsene konzipiert, was ich sehr schade finde, da dieser Ort scheinbar ein Anziehungspunkt für Familien ist. So setzen wir uns an hohe Barhocker mit runden Stehtischen und ich hoffe, mein Nachkomme fällt nicht die eineinhalb Meter herunter, die ihn nun vom Fußboden trennen. Ein Paar mit einem noch kleineren Kind nimmt neben uns Platz. Auch hier beweist die Mutter mit ihrem Sandwich in der linken und einer schützenden rechten Hand, die den Rücken ihres Sohnes stützt, ihre Koordinationsfähigkeit. Was ihre Entspannung sichtlich schmälert. Wir lächeln uns zu, unsere Kinder treten in Kommunikation oder besser gesagt, der eine möchte das haben, was auf dem Teller des anderen zu finden ist.
Nach dem Eis fahren wir eine Rolltreppe weiter nach unten und stöbern noch ein wenig in der Buchhandlung herum, die tatsächlich eine kleine Ecke für Kinder eingerichtet haben. Danach flanieren wir über die Etagen und nach insgesamt zwei Stunden begeben wir uns wieder zum Ausgang.
Vor dem Gebäude entsteht gerade ein Menschenauflauf. Nachdem wir kurz unseren Kälteschock überwunden haben, drängen wir uns nach vorn, um zu sehen, was vor sich geht. Vier männliche Jugendliche performen Streetdance. Einer spielt sogar auf einem mitgebrachtem Schlagzeug. Sie sind jung und sehr selbstbewusst und ihr Tanz macht mich glücklich. Diese Beweglichkeit und Kraft! Die Mädchen in der Menschenmenge, auf die sie zielen, tun so, als sei das alles gar nichts und schauen absichtlich missbilligend. Ich halte mich nicht zurück und rufe meine Begeisterung heraus, wenn einer mal wieder eine ganz besonders unmögliche Akrobatik ausübt und dabei auf einer Hand tanzt.
Wir nehmen unseren Bus nach Hause. Draußen ist es bereits dunkel und wir freuen uns auf das mitgebrachte Abendessen vom Inder.
Das ist ja ein toller Bericht
Schön wäre ein paar Fotos… Wie wäre es, wenn Du das nächste mal Dein Handy zückst.
Weiter so – dann kommt Leben in die Bude